Objekt:

 Figurine, Kalkstein, 25 x 9 x 3,5 cm.

Datierung:

 18. Dyn. (1530-1292).

Herkunft:

 Ägypten.

Sammlung:

 Fribourg, Sammlungen BIBEL+ORIENT, ÄFig 2003.2.

Darstellung:

 Auf einem rechteckigen Bett liegt gerade ausgestreckt eine sehr schlanke Frau mit ausgesprochen dünner, hoch gelegener Taille, langem Unterleib und langen Beinen. Ihre übertrieben langen Arme liegen an den Körper angepresst und reichen bis zu den Knien. Die Hände umfassen den unteren Teil der Schenkel. Die Frau trägt eine große Perücke, die bis auf die kleinen runden Brüste reicht. Ihre Gesichtszüge sind kaum mehr zu erkennen. Die Trennlinie zwischen den Beinen ist markant eingeritzt und führt zu einem genau im Zentrum des Objektes gelegenen Dreieck, das ihr Geschlecht markiert. Die Füße sind nur schematisch wiedergegeben und verbinden sich mit dem Fußbrett des Bettgestells. Die Unterseite des Stückes ist klar als Bett ausgestaltet. Von den ursprünglich vier pfropfenartigen Bettfüßen ist nur noch einer ganz erhalten. Aber in der Mitte ist ein rechteckiger Bettrahmen mit einer Querverstrebung angegeben. Bei einem realen Bett wurde über die Zwischenräume eine geflochtene Matte gespannt.

Diskussion:

 Ausgestreckt auf einem Bett liegende Frauenfiguren sind aus der Zeit des ägyptischen Neuen Reiches recht oft erhalten. Sie sind größtenteils aus gebranntem Ton hergestellt, Exemplare aus Kalkstein sind wesentlich seltener und waren vermutlich wertvoller. Zentrales Thema ist offensichtlich die Erotik. Darauf deutet, neben der liegenden Stellung und der Nacktheit der Frau, vor allem auch die besonders lange Perücke. Üppige Haartracht war im Alten Ägypten stark erotisch konnotiert. Gelegentlich liegt ein Kind neben der Frau (Keel/Schroer 2004: Fig. 118a). Dann steht die Fruchtbarkeit im Vordergrund. Solche Figuren wurden hauptsächlich in Wohnhäusern und Gräbern und nur selten in Tempeln gefunden. Im Haus wurden sie wohl neben Götterfiguren und Amuletten zur Stimulation und zum Schutz der erotischen Bedürfnisse und – besonders wenn noch ein Kind dargestellt wurde – der Mutterschaft aufgestellt. Die Exemplare, die aus Tempeln stammen, waren Votivgaben, über deren Darbringen sich Frauen und eventuell auch Männer von einer Gottheit Erfolg in ihrem erotischen Leben, Fruchtbarkeit und Kindersegen erflehten oder der Gottheit dafür dankten. Besonders von der Göttin Hathor erhoffte man sich Schutz und Hilfe in allen die Liebe, Fruchtbarkeit, Geburt und Kinder betreffenden Belangen. Da die Fortpflanzungsfähigkeit des Paares auch im Jenseits gewährleistet sein musste, um die Regeneration des Einzelnen zu sichern, wurden diese Objekte als Sinnbild und Garant weiblicher Fruchtbarkeit auch in Gräber mitgegeben.

Parallelen:

Pinch 1993: 207f; Capel/Markoe 1996: 66f, Nr. 16b.

Bibliographie:

Bonhams 2003: 134, lot 374; Keel/Schroer 2004: 146f, Nr. 118.

DatensatzID:

820

Permanenter Link:

  http://www.bible-orient-museum.ch/bodo/details.php?bomid=820