Objekt:

 Idol, Ton, 16,4 x 6,8 x 2,1 cm.

Datierung:

 Spätbronzezeit (1500-1300).

Herkunft:

 Palästina/Israel (hauptsächlich Nordfuß der Karmelkette, wahrscheinlich Megiddo).

Sammlung:

 Fribourg, Sammlungen BIBEL+ORIENT, VFig 2003.1.

Darstellung:

 Vorder- und Rückseite der Figur sind mit Hilfe je eines Models hergestellt. Dort, wo die beiden Teile aufeinandertrafen, ist der überschüssige, herausgepresste Lehm als Wulst erhalten, der nur an den Fußspitzen und am oberen Ende der Kopfbedeckung fehlt. Die Füße stehen im rechten Winkel nach vorn. Die Zehen sind sorgfältig gezeichnet. Der Übergang von den Oberschenkeln zum Bauch ist durch je eine schräge Linie markiert, die zum Geschlecht hin läuft. Die beiden Linien bilden zusammen mit der etwas schwächer eingeritzten waagrechten über dem Bauch ein Dreieck, eine Art überdimensioniertes Schamdreieck. Die Scham selbst ist durch eine kurze Einritzung markiert. Die schräg nach oben gewinkelten Arme bedecken mit den Händen die Brüste. Am rechten Unterarm ist eine Unregelmäßigkeit auszumachen, die vielleicht als Angabe von Armreifen zu deuten ist. Den Hals schmücken drei plastisch hervorgehobene Linien, die vielleicht ein Halsband darstellen. Der Mund ist durch sorgfältig herausgearbeitete Ober- und Unterlippen wiedergegeben. Die als Dreieck gestaltete, nur leicht vorspringende Nase geht nach oben in die fast waagrecht verlaufenden Augenbrauen über. Unter ihnen liegen die großen mandelförmigen Augen. Die seitlich abstehenden Ohren sind ebenso sorgfältig gearbeitet wie der Mund. Besonders charakteristisch für die Figur ist die trapezförmige, nach oben sich leicht verjüngende Kopfbedeckung, die durch acht Kannelüren gegliedert ist. Die Rückseite ist weniger sorgfältig gestaltet als die Vorderseite. Die Kopfbedeckung ist aber auch da vom Kopf leicht abgehoben. Vom Hinterkopf fällt ein dicker, schematisch gearbeiteter Zopf bis auf das Gesäß. Die angewinkelten Arme, das Gesäß und die Beine sind durch schematische Vertiefungen voneinander abgehoben.

Diskussion:

 Das Hauptmerkmal des Typs, die geriffelte Kopfbedeckung, hat Parallelen im hetitischen Raum. Zahlreiche Göttinnen in Yazilikaya (Zentralanatolien) tragen geriffelte Tiaren mit sieben bis acht Kannelüren (Bittel 1975: Taf. 58f). Sie sind aber nicht trapezförmig. Die Frauen, die sie tragen, sind bekleidet, und die Tracht scheint auf diese Felsreliefs des 13. Jh. v. Chr. beschränkt zu sein. Eine Abhängigkeit der älteren Figuren aus Palästina ist also unwahrscheinlich. Die hohe geriffelte Kopfbedeckung fügt der erotischen Vitalität (Nacktheit, langer Zopf), der Mütterlichkeit (Brüste) und der Lebensfreundlichkeit (große Augen und Ohren) der Göttin den Status einer Herrin hinzu. Figuren dieses Typs sind hauptsächlich in Privathaushalten gefunden worden (Lapp 1964: 39) und stammen vor allem aus Megiddo.

Parallelen:

Macalister 1912: III pls. 221:1; May 1935: pl. 31:M 3436: ein leider nur fragmentarisch – ohne Kopf und Füße – erhaltenes Stück dürfte aus dem gleichen Model gepresst sein wie das vorliegende, denn es stimmt nicht nur in allen Details der Gestaltung mit unserem Stück überein, sondern auch – bis auf den Millimeter genau – in den Maßen - Megiddo, das Fragment stammt von einem Locus mit ausschließlich spätbronzezeitlicher Keramik; Guy 1938: 103, pl. 155:9: ein sehr ähnliches, vollständig erhaltenes, aber ca. 2 cm kleineres Exemplar - gefunden in Megiddo in einem Grab mit Keramik, die z. T. mit solcher aus Amarna in Ägypten identisch ist, Mitte des 14. Jh. v. Chr.; Macalister 1912: III pls. 220:16: einzelne Stücke zeigen eine Lockenfrisur, die sich in Megiddo und Ta˓anach nicht findet - Geser; Schumacher 1908: 103, Abb. 158a: mindestens sieben Fragmente - Megiddo; May 1935: pl. 31: mindestens sieben Fragmente- Megiddo; Sellin 1904: 45, Abb. 47: mit dem vorliegenden fast identisches, vollständig erhaltenes Stück - Ta˓anach; Hamilton 1935: 55, Nr. 322: weitere Belege für diesen Figurentyp - Tell Abu Hawam bei Haifa; Macalister 1912: III pl. 220:6.17: weitere Belege für diesen Figurentyp - Geser; Sellin 1904: 50, Abb. 51, 106: zahlreiche Fragmente - Ta˓anach.

Bibliographie:

Keel 2003a: 134f, Nr. II:14; Keel/Schroer 2004: 135, Nr. 104; Keel 2008: 38, Nr. 25.

DatensatzID:

810

Permanenter Link:

  http://www.bible-orient-museum.ch/bodo/details.php?bomid=810