Objekt:

 Model, Ton, 11,5 x 3,7 x 2,1 cm.

Datierung:

 Spätbronzezeit (1500-1200).

Herkunft:

 Syrien (wahrscheinlich mittleres Eufrattal).

Sammlung:

 Fribourg, Sammlungen BIBEL+ORIENT, VFig 1988.1.

Darstellung:

 Das Model hat ungefähr die Form eines Rechteckes (Plakette) mit abgerundeten Ecken und unregelmäßigen und unsorgfältig gefertigten Kanten. Es zeigt das Negativ einer nackten, schlanken, frontal dargestellten Frau. Vom rechten Bein ist noch das Fußgelenk erhalten. An ihm sind zwei Ringe zu sehen. Die langen Beine, die ohne Absatz ins Hüftgelenk übergehen, scheinen vom Bauch abgetrennt und haben nicht die richtigen Proportionen: Die Knie sind zu niedrig angesetzt, so dass die Oberschenkel unverhältnismäßig lang sind. Die Behaarung des Schamdreiecks ist durch Punkte angedeutet. Der Bauch ist schmal und langgestreckt. Die angewinkelten Arme liegen auf der Brust, wobei die Hände die nur angedeuteten Brüste halten (vgl. Keel/Schroer 2004: Nr. 23). Die Brust-, Hals- und Schulterpartie ist unsorgfältig herausgearbeitet, so dass es unmöglich ist, diesen Körperteil genau zu beschreiben. Am Handgelenk trägt die Frau einen oder mehrere Armringe. Am Hals scheint sie eine Kette getragen zu haben. Das Gesicht ist herzförmig: Das Kinn läuft spitz zu und die Schläfen sind breit. Der Mund ist nur angedeutet, und die große Nase ist flach. Die mandelförmigen Augen sind unverhältnismäßig groß, die Augenbrauen darüber sorgfältig eingeritzt. Die Haartracht gleicht einer auf den Kopf aufgesetzten Perücke. Auf der Höhe der Ohren scheinen die Haare in kleinen runden bis spitzen Zöpfen auszulaufen. Als Ganzes betrachtet wirkt der Körper wie aus verschiedenen Teilen (Kopf, Arme, Bauch, Beine) zusammengesetzt.

Diskussion:

 Die Herstellung weiblicher Terrakotten mit Hilfe von Matrizen setzt in Syrien-Palästina erst in der Spätbronzezeit ein. Sie fördert die Massenverbreitung. Einzelne Belege für den hier vorliegenden Typ sind auch in Palästina gefunden worden (Winter 1987: Abb. 24.26). Immer wieder wurde diskutiert, ob es sich dabei um die Darstellung einer Göttin oder einer sterblichen Frau handle. Den Ausschlag zugunsten der Göttin gibt die Tatsache, dass diese Figuren auch als Teil von Tempelmodellen zu finden sind (Czichon/Werner 1998: Taf. 159,4086; 160,4083), z.B. beim oder im Eingang eines Heiligtums. Gewöhnliche Sterbliche haben da wohl nichts verloren. Es dürfte sich bei diesem Typ, da er auf Architekturmodellen paarweise vorkommt, aber nicht um eine «große Göttin», sondern eher um eine göttliche Mittlerin handeln, die sehr populär war (vgl. den Kommentar nach Keel/Schroer 2004: Nr. 50 und Keel/Uehlinger 2001: 110-122).

Parallelen:

Badre 1980: pl. 36:9, 37:15-17, 22: besonders enge Parallelen stammen aus der Eufratregion bei Emar-Meskene; Czichon/Werner 1998: Taf. 155-163: besonders enge Parallelen stammen aus Munbaqa-Ekalte; Czichon/Werner 1998: Taf. 155:4010-4011, 158:4064, 4070, 161:4094: nebst zahlreichen Figuren und Figurenfragmenten, die mit Hilfe von Modeln hergestellt wurden, sind auch eine Anzahl Originalmodel gefunden worden.

Bibliographie:

Keel 2003a: 133, Nr. II:13; Keel/Schroer 2004: 134, Nr. 103.

DatensatzID:

809

Permanenter Link:

  http://www.bible-orient-museum.ch/bodo/details.php?bomid=809