Objekt:

 Skarabäus (§ 36-131), Enstatit (§ 386-390), 16 x 11 x 7 mm.

Datierung:

 MB IIB (1700-1550).

Herkunft:

 Palästina/Israel.

Sammlung:

 Fribourg, Sammlung Keel, ÄS 1990.4.

Darstellung:

 Die Göttin ist hier ähnlich wie in Keel/Schroer 2004: Nr. 41 – und d. h. in der Haltung ägyptisch beeinflusst – dargestellt, nur dass der Kopf nach rechts gewendet im Profil gezeigt wird. Statt der üblichen Zweige flankieren die Göttin zwei ägyptische nefer-Zeichen. Die Komposition umgibt ein Schnurband (vgl. Keel/Schroer 2004: Nr. 77).

Diskussion:

Nefer bedeutet «gut, schön, vollkommen». Das Zeichen erscheint als «Glückszeichen» häufig auf kanaanäischen Skarabäen der Mittelbronzezeit IIB. In Verbindung mit der «Zweiggöttin» sind ägyptische Hieroglyphen allerdings äußerst selten. Sehr häufig erscheinen sie hingegen in Verbindung mit einem anderen typisch kanaanäischen Motiv, nämlich mit dem «Fürsten» (Keel 1995: 206-208 § 568-570). Es scheint, dass die ägyptische Kultur in der «Männerwelt», die sich in den Skarabäen mit dem «Wulstsaummantelfürsten» spiegelt, eine größere Rolle spielte, als in der «Frauenwelt», welche die Skarabäen mit der Zweiggöttin reflektieren. Ein kanaanäisches Motiv, das man auf ägyptischen Skarabäen nie findet, ist das Bild einer nackten Frau bzw. Göttin (Keel/Schroer 2004: Nr. 73-81
Keel/Schroer 2004:
Nr. 73
Nr. 74
Nr. 75
Nr. 76
Nr. 77
Nr. 78
Nr. 79
Nr. 80
Nr. 81
, 90). Es ist kennzeichnend für mittelbronzezeitliche, in Palästina/Israel lokal gefertigte Skarabäen, auf denen es in großer Zahl gefunden wird (Schroer 1989: 89-138; Keel 1995: 210-212 § 574-576; Keel 1995a: 117-120). Die nackte Göttin ist regelmäßig von Zweigen bzw. kleinen schematisierten Bäumen flankiert (vgl. Keel/Schroer 2004: Nr. 71). Silvia Schroer bezeichnete sie deshalb als «Zweiggöttin» (Schroer 1987). Die Zweige charakterisieren sie als Herrin und Spenderin der Vegetation, die im regenarmen Palästina von zentraler Bedeutung war. Ihr Partner war der Wettergott (vgl. den Kommentar nach Keel/Schroer 2004: Nr. 65). Ein Baum oder Zweig allein kann gelegentlich die Präsenz der Göttin symbolisieren (vgl. Keel/Schroer 2004: Nr. 72 und 91).

Parallelen:

Schroer 1989: 98, Nr. 16-17: Nr. 16 Lachisch, Nr. 17 Geser.

Bibliographie:

Keel 1994: 223, Taf. 22:2; Keel 1995c: 118, pl. 6:1; Keel/Schroer 2004: 122f, Nr. 81.

DatensatzID:

791

Permanenter Link:

  http://www.bible-orient-museum.ch/bodo/details.php?bomid=791