Objekt:

 Idol, Ton, 14 x 4,8 x 2,6 cm.

Datierung:

 MB II (1900-1600).

Herkunft:

 Orontestal (und südlich davon bis zum Karmel).

Sammlung:

 Fribourg, Sammlung Keel, VFig 2003.2.

Darstellung:

 Die Figur ist denen von Keel/Schroer 2004: Nr. 42, 43 sehr ähnlich. Sie unterscheidet sich von Keel/Schroer 2004: Nr. 43 durch das fehlende Kreuzband und von Keel/Schroer 2004: Nr. 42, 43 dadurch, dass die Brüste durch zwei in der Mitte durchbohrte Tonkringel angedeutet sind; auch der Nabel ist im Gegensatz zu Keel/Schroer 2004: Nr. 43 nicht nur durch eine umrandete Vertiefung, sondern wie bei Keel/Schroer 2004: Nr. 42 durch einen durchbohrten Tonkringel indiziert.

Diskussion:

 Diese Statuette und drei weitere Statuetten aus Keel/Schroer 2004: Nr. 42, 43 und 45 gehören zum gleichen Typ, von dem sie verschiedene Varianten darstellen. Allen gemeinsam ist die Gestaltung des Kopfes. Die hochgesteckte Frisur mit zwei Durchbohrungen, die Ohren oder Seitenlocken, die eine bis drei Durchbohrungen aufweisen, die Augen in Form runder durchbohrter Tonscheiben und die «Vogelnase» mit dem Tonkringel darüber sind besonders markant gestaltet. Die Löcher in der Frisur bzw. in den Ohren haben höchstwahrscheinlich Metall- oder Tonohrringe getragen, wie einige erhaltene Exemplare beweisen (Harden 1934: pl. XII,1, Ashmolean Museum). Das durchbohrte «Tonkringelchen» auf der Stirn war mit einer Einlage geschmückt, und ähnliches galt auch für den Nabel, der mit einem mit Goldfolie überzogenen Tonstift ausgefüllt war, wie uns das gleiche Beispiel aus dem Ashmolean Museum zeigt. Ursprünglich trugen höchstwahrscheinlich auch die Augen eine Art Einlage, von der nur Spuren erhalten sind. Bei dem Stirnkringelchen mit seinem Stiel dürfte es sich um eine Blüte (Lotus?) handeln, die nach ägyptischer Art auf der Stirn erscheint (Keel/Schroer 2004: Nr. 37, 75). Der trapezförmige obere Abschluss der Frisur erinnert an den rechteckigen Nackenknoten von Keel/Schroer 2004: Nr. 26. Alle vier tragen eine Halskette, Keel/Schroer 2004: Nr. 45 sogar zwei. Ebenso gemeinsam haben die vier Figuren die Gestaltung des Rumpfes als eine Art Raute mit dem stark betonten Nabel im Zentrum. Bei dieser Figur und Keel/Schroer 2004: Nr. 42 und 43 wird der Nabel zusätzlich durch darunter liegende Gürtel betont. Die Figuren tragen bis auf Halsketten und Gürtel nichts. Die Kombination von Schmuck und Nacktheit betont diese und verleiht ihr selber die Attraktivität eines Schmucks. Der Nabel kann die weibliche Scham repräsentieren (vgl. Hoheslied 7,3; Keel 1992b: 214f). Auf zeitgenössischen Goldanhängern, die die Göttin als Mutter der Vegetation zeigen, wächst der Zweig, der die Vegetation symbolisiert, bald aus dem Nabel (vgl. Keel/Schroer 2004: Nr. 46), bald aus der Scham hervor (Keel 1992b: 165 Abb. 96-97a). Die Reduktion der Göttin auf Gesicht und Schambereich unter Vernachlässigung der Brüste findet sich weitgehend auch bei den zeitgenössischen kanaanäischen Goldanhängern (Keel(Schroer 2004: Nr. 46) und Siegelamuletten (Keel/Schroer 2004: Nr. 73-81
Keel/Schroer 2004:
Nr. 73
Nr. 74
Nr. 75
Nr. 76
Nr. 77
Nr. 78
Nr. 79
Nr. 80
Nr. 81
). Der Konzentration auf diese beiden Bereiche dient auch die Reduktion der Arme auf seitlich abstehende Stummel, die sich bei dieser Figur und den Figuren aus Keel/Schroer 2004: Nr. 42-45
Keel/Schroer 2004:
Nr. 42
Nr. 43
Nr. 44
Nr. 45
findet. Die schmalen Beine sind vorne und hinten durch eine Rille getrennt und verjüngen sich nach unten. Die Füße sind nur angedeutet, und die Figuren haben keine Standfläche. Eine wichtige Variante stellt Keel/Schroer 2004: Nr. 45 dar, bei der der Schambereich durch Angabe der Schamhaare hervorgehoben ist und die Brüste dadurch betont werden, dass die Arme ausgestaltet und unter sie gelegt sind. Die meisten Parallelen zu diesem Figurentyp und seinen Varianten kommen aus Hama am Orontes in Syrien (Fugmann 1958: Fig. 110.117.124; Badre 1980: pl. 1,10-27; 2,33.39-40.43-46) und aus dem ganzen Orontesgebiet. Nach Norden sind sie bis Südostanatolien zu finden (Andrae 1943: Taf. 33c). Weitere stammen aus dem wenig südlich von Hama gelegenen Qatna (Badre 1980, pl. 9,5.9), aus dem ost-süd-östlich gelegenen Salamijeh (Badre 1980: pl. 10,3). Sie scheinen eine ziemlich weite Verbreitung nach Süden gefunden zu haben. Eine wurde in Megiddo (Finkelstein/Ussishkin/Halpern 2000: 397 Fig. 12.34.2), eine andere in Taanach gefunden (Lapp 1969: 46 Fig. 30, mit Schamdreieck).

Parallelen:

Badre 1980: 167, Nr. 27, pl. 1:27: Hama.

Bibliographie:

Keel/Schroer 2004: 90-92, Nr. 44.

DatensatzID:

769

Permanenter Link:

  http://www.bible-orient-museum.ch/bodo/details.php?bomid=769