Objekt:

 Säulenfigurine, Ton, 15,6 x 5,7 x 3,1 cm.

Datierung:

 Ende Frühbronzezeit (um 2000).

Herkunft:

 Nordsyrien/Euphrattal.

Sammlung:

 Fribourg, Sammlungen BIBEL+ORIENT, VFig 1996.1.

Darstellung:

 Die Figur ist der von Keel/Schroer 2004: Nr. 25 eng verwandt, nur dass sie etwas nach vorn geneigt ist. Die abgerundeten breiten Schultern sind noch stärker betont als bei Keel/Schroer 2004: Nr. 25. Die Hände sind nicht nach oben geführt, sondern liegen horizontal leicht verschoben übereinander. Sie bedecken die Brüste nicht, die als zwei aufgesetzte und durchstochene Scheiben gestaltet sind, die unmittelbar neben den Achselhöhlen liegen. Handgelenk und Finger sind eingeschnitten. Drei Ketten, die beiden äußeren mit senkrechter Verzierung, umgeben den Halsansatz. Das vogelähnliche Gesicht hat keine kaffeebohnenförmigen, sondern doppelkreisförmige aufgesetzte Augen. Die Frisur besteht vorne aus langen Zöpfen mit einer Art Fischgratmuster, die bis auf die untere Kette fallen. Die kürzeren hinteren Zöpfe bestehen nur aus je drei Lehmklümpchen. Am Hinterkopf ist ein Haarknoten als rechteckiger Vorsprung geformt, der mit schrägen Linien dekoriert ist.

Diskussion:

 Obwohl für diese Figur und die Figuren aus Keel/Schroer 2004: Nr. 25 und 28 keine in allen Details übereinstimmende Parallelen bekannt sind, gibt es für viele Details gutes Vergleichsmaterial bei den Statuetten von Selenkahije; vor allem bei den Statuetten, die Liebowitz unter Typ I vereint hat. Es handelt sich um Figürchen, deren Körper einen flachen auf eine runde Basis gesetzten Pfeiler darstellt. Der Oberkörper ist dreieckförmig modelliert und durch die Oberarme begrenzt, Nase und Augen sind stark betont, hingegen fehlt der Mund. Die Hände, sowohl waagerecht als auch nach oben abgewinkelt, liegen auf der Brust. Der flache Körper dieser Pfeilerfiguren könnte ein langes Kleid darstellen oder nur eine Details aussparende Vereinfachung sein (Liebowitz 1988: 4). In unseren Beispielen sind die Halsketten die einzigen Verzierungen. In Selenkahije dagegen tragen einige Figuren geometrische Muster. Die Statuetten sind aufgrund der gelegentlich eigens dargestellten Brüste, vor allem aber aufgrund der komplizierten Frisuren als weiblich zu identifizieren (Badre 1980: 123f). Sie sind typisch für das mittlere Eufrattal. Wenn Liebowitz (1988: 28f) mit seiner Auffassung Recht hat, dass wir Figuren vom Typ der Frau vor uns haben, die ihre Brüste stützt, dann dürfte es sich um die Darstellung von Göttinnen handeln. Das legen auch die Frisuren und Halsketten nahe. Ihr Bild vermittelt stärker den Eindruck stolzer oder freundlicher Herrinnen als den üppiger Fülle wie Keel/Schroer 2004: Nr. 1-6
Keel/Schroer 2004:
Nr. 1
Nr. 2
Nr. 3
Nr. 4
Nr. 5
Nr. 6
. Die Figuren dieses Typs sind hauptsächlich in Privathäusern gefunden worden.

Parallelen:

Badre 1980: pl. 78; Liebowitz 1988: pl. 3:2, 7:2, 10:4; Keel/Schroer 2004: Nr. 25, 25; Badre 1980: pl. 42:63, 69: Haartracht; Liebowitz 1988: pl. 1:2: Haartracht; vergleiche auch: nordostsyrischer Stil; Badre 1980: pl. 43:78: seltene aufgesetzte Brüste; Liebowitz 1988: pl. 5:1: seltene aufgesetzte Brüste.

Bibliographie:

Keel 2003a: 130f, Nr. II:8; Keel/Schroer 2004: 74, Nr. 26; Keel 2008: 24, Nr. 4.

DatensatzID:

754

Permanenter Link:

  http://www.bible-orient-museum.ch/bodo/details.php?bomid=754