Objekt:

 Figurine, Ton, 17 x 4,6 x 3 cm.

Datierung:

 Ende Frühbronzezeit (um 2000).

Herkunft:

 Nordsyrien/Euphrattal.

Sammlung:

 Fribourg, Sammlungen BIBEL+ORIENT, VFig 1996.2.

Darstellung:

 Für diese weibliche Pfeilerfigur mit spitzwinkligen Schultern und Händen über den Brüsten wurde zuerst der Körper als flacher Pfeiler geformt, der sich leicht nach oben verbreitert und nach unten in einer runden Standfläche endet, die am Boden leicht konkav ist. Die Körperoberfläche ist höchstwahrscheinlich mit einem dünnen Spachtel geglättet; senkrechte Spuren sind gut ersichtlich (ca. 5 mm breit). Danach hat man Kopf, Arme, Halsketten und Frisur modelliert. Der lange Hals verleiht der Figur ein stolzes Aussehen. Nur auf seiner Vorderseite sind vier senkrecht verzierte Ketten modelliert. Das vogelähnliche Gesicht hat eine vorspringende Nase und kaffeebohnenförmige Augen (vgl. Keel/Schroer 2004: Nr. 5). Das Gesicht ist von zwei langen, vorne bis auf die Schultern reichenden, mit schrägen Einschnitten verzierten Zöpfen gerahmt, denen hinten kürzere, aus je vier Lehmkügelchen gebildete entsprechen. Die übrigen Haare sind zu einem «Pferdeschwanz» aufgebunden. Die Arme sind außergewöhnlich dünn und kurz. Die Hände mit den nur durch Einschnitte angedeuteten Fingern sind nach oben abgewinkelt und umschließen die Brüste.

Diskussion:

 Obwohl für diese Figur und weitere Figuren aus Keel/Schroer 2004: Nr. 26 und 28 keine in allen Details übereinstimmenden Parallelen bekannt sind, gibt es für viele Details gutes Vergleichsmaterial bei den Statuetten von Selenkahije; vor allem bei den Statuetten, die Liebowitz unter Typ I vereint hat. Es handelt sich um Figürchen, deren Körper einen flachen auf eine runde Basis gesetzten Pfeiler darstellt. Der Oberkörper ist dreieckförmig modelliert und durch die Oberarme begrenzt, Nase und Augen sind stark betont, hingegen fehlt der Mund. Die Hände, sowohl waagerecht als auch nach oben abgewinkelt, liegen auf der Brust. Der flache Körper dieser Pfeilerfiguren könnte ein langes Kleid darstellen oder nur eine Details aussparende Vereinfachung sein (Liebowitz 1988: 4). In unseren Beispielen sind die Halsketten die einzigen Verzierungen. In Selenkahije dagegen tragen einige Figuren geometrische Muster. Die Statuetten sind aufgrund der gelegentlich eigens dargestellten Brüste, vor allem aber aufgrund der komplizierten Frisuren als weiblich zu identifizieren (Badre 1980: 123f). Sie sind typisch für das mittlere Eufrattal. Wenn Liebowitz (1988: 28f) mit seiner Auffassung Recht hat, dass wir Figuren vom Typ der Frau vor uns haben, die ihre Brüste stützt, dann dürfte es sich um die Darstellung von Göttinnen handeln. Das legen auch die Frisuren und Halsketten nahe. Ihr Bild vermittelt stärker den Eindruck stolzer oder freundlicher Herrinnen als den üppiger Fülle wie Keel/Schroer 2004: Nr. 1-6
Keel/Schroer 2004:
Nr. 1
Nr. 2
Nr. 3
Nr. 4
Nr. 5
Nr. 6
. Die Figuren dieses Typs sind hauptsächlich in Privathäusern gefunden worden und vor allem in Selenkahije am mittleren Eufrat, wenig nördlich von Habuba Kabira, gegenüber von Muraibit. Sie gehören zum Typ der Göttin, die ihre Brüste hält. In Selenkahije haben einzelne dieser Figuren (Typ II) aufgesetzte Brüste (vgl. Keel/Schroer 2004: Nr. 26). Die kaffeebohnenförmigen Augen sind bei diesem Typ nicht selten zu finden (Badre 1980: pl. 39,1-2.12-13; 43,77-79.84). Vereinzelt wurden Figuren dieses Typs auch an anderen Orten gefunden, so eine nordöstlich von Selenkahije auf dem Tell Chuera in Nordsyrien nahe der Grenze zur Türkei (Moortgat 1962: 12 Abb. 7d; 21).

Parallelen:

Badre 1980: pl. 43:79: Augen als Schlitz, Halsketten, Brüste nicht sichtbar; Doumet Serhal 1995: 59-69: Belege unbekannter Herkunft; Spycket 2000: 100f, nos. 80-82: Belege unbekannter Herkunft; vergleiche auch: nordostsyrischer Stil.

Bibliographie:

Keel 2003a: 130, Nr. II:7; Keel/Schroer 2004: 74, Nr. 25; Ramseyer et al. 2004: 56; Keel 2008: 24, Nr. 5.

DatensatzID:

753

Permanenter Link:

  http://www.bible-orient-museum.ch/bodo/details.php?bomid=753