Objekt:

 Figurine, Ton, 78 x 37 x 35 mm.

Datierung:

 Keramisches Neolithikum (6400-5800) (Halaf-Kultur).

Herkunft:

 Nordsyrien.

Sammlung:

 Fribourg, Sammlungen BIBEL+ORIENT, VFig 1995.12.

Darstellung:

 Die Figur ist der von Keel/Schroer 2004: Nr. 2 sehr ähnlich. Die Beine stehen weiter auseinander als bei Keel/Schroer 2004: Nr. 2, 4. Auf dem linken Knie ist ein unmodelliertes Stück Ton aufgesetzt. Die Taille ist relativ schmal. Der breite Hals läuft in einen schmalen Kopf mit ausgeprägter Nase aus. Der hinten flache Kopf endet in einer spitzen Kopfbedeckung, die auf der Rückseite noch Bemalungsspuren aufweist. Das stark vorspringende Gesicht endet an der Stirn mit einem spitzwinkligen Absatz. Die großen Augen sind schwarz gemalt; das Gesicht ist von bemalten Pünktchen eingerahmt. Hals und Taille sind von einem schwarzen Streifen umgeben. Arme, Brüste und Beine sind mit schwarzen waagerechten Streifen verziert.

Diskussion:

 Terrakottafiguren dieses Typs (siehe auch Keel/Schroer 2004: Nr. 2 und 4) sind in Nordmesopotamien und Nordsyrien in großer Zahl gefunden worden, so in den Ausgrabungen von Tell Halaf, Chagar Bazar, Tepe Gawra, Arpaçiya, Tell Kaschkaschuk u.a. (Mellink/Filip 1974: Nr. 59a-61). Die Tradition dieser Figuren lässt sich bis ins 9. Jahrtausend v. Chr., ins vorkeramische Neolithikum A zurückverfolgen, wie es am Karmel, im Jordantal (Keel/Schroer 2004: Nr. 1; Yizraeli-Noy 1999: 33-40) und am mittleren Eufrat in Muraibit bezeugt ist (Cauvin 1994: 48). Im vorkeramischen Neolithikum B im 8.-7. Jt. v. Chr. finden sie sich in Beidha bei Petra, in ˓Ain Ghazal bei Amman, am oberen Eufrat in Cafer Höyük und am oberen Tigris in Çayönü, also in einem immer deutlich größeren Gebiet als im vorkeramischen Neolithikum A (Cauvin 1994: 44, 48, 59, 122, 145). Diese Figur und Keel/Schroer 2004: Nr. 2 und 4 zeigen zahlreiche gleiche Merkmale. Körperaufbau und Auffassung sind identisch; die mit Streifen bemalten Arme halten die voluminösen Brüste und treffen sich in der Körpermitte unter den Brüsten; die überdimensionierten Hüften und Beine sind leicht mit einem Muskulaturhinweis modelliert. Die Kopfbedeckungen hingegen weichen stark voneinander ab. Diese Figur und Keel/Schroer 2004: Nr. 4 haben merkwürdige Kopfbedeckungen, für die es keine Vergleichstücke gibt. Bei Stücken aus kontrollierten Ausgrabungen ist der Kopf allerdings häufig weggebrochen. Die spezielle Kopfbedeckung könnte eine bestimmte gesellschaftliche Rolle andeuten oder Attribut einer bestimmten Erscheinungsweise der Göttin gewesen sein. Die Bemalung in Streifen ist ein Kennzeichen der neolithischen Plastik im Vorderen Orient. In den nachfolgenden Epochen wird sie z. B. durch eingeritzten oder aufgetragenen Dekor ersetzt. Die Interpretation der aufgemalten Streifen ist schwierig; sie könnten u. a. für die Bekleidung stehen. Manche nehmen an, dass Kleider damals aus mehreren gewobenen und danach zusammengenähten Bändern bestanden hätten. Es ist aber auch denkbar, dass die Streifen eine Körperbemalung darstellen und die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Clan zum Ausdruck brachten und/oder magische Bedeutung hatten.

Parallelen:

Keel/Schroer 2004: 46, Nr. 2: die Kopfbedeckung ist abweichend; vergleiche auch: nordsyrischer Stil, Tell Halat.

Bibliographie:

Keel 2003a: 126f, Nr. II:2; Keel/Schroer 2004: 44, Nr. 3, 46f; Ramseyer et al. 2004: 54.

DatensatzID:

733

Permanenter Link:

  http://www.bible-orient-museum.ch/bodo/details.php?bomid=733