Objekt:

 Figurine, Ton, 11,1 x 4,4 x 1,7 cm.

Datierung:

 Mitte SB IIB (1250) oder etwas früher (der Fundkontext des Stücks aus Aphek ist auf 1250 datiert. Das Stück vom Tel Harasim gehört zur sbz Besiedlungsphase, die bis ins frühe 13. Jh. dauerte. D.h., die Terrakottaplakette selbst könnte auch auf das frühe 13. Jh. zurückgehen).

Herkunft:

 Revadim Steinbruch, Oberfächenfund.

Sammlung:

 Jerusalem, Israel Museum, IAA 82-219.

Darstellung:

 An drei Orten in Palästina/Israel sind Teile von weiblichen Terrakotten gefunden worden, die aus demselben Model stammen (Beck 1986a; Kochavi 1990: 20). Auf beiden Oberschenkeln findet sich, wie das Fundstück vom Tell Harasim (nicht abgebildet) am deutlichsten erkennen lässt, neben der geöffneten Vulva je ein von Capriden flankierter Palmettbaum (Schroer/Keel 2005: Nr. 106, Schroer 2011: Nr. 823, 840, 841, 849, 850, 851, 852, 853, 854, 855, 856). Zwei Säuglinge trinken an den Brüsten der Göttin, die nur einen Halsschmuck trägt (Mondsichel oder Ω-Zeichen). Der Baum rückt in nächste Nähe zur Scham der Göttin. Zugleich wird das Motiv der Ziegen, die sich am Baum gütlich tun, mit den nährenden Aspekten der göttlichen Mutter assoziiert (Keel/Uehlinger 1992: 82). Eine Deutung der Figur auf Zwillingsschwangerschaften und ihre Gefahren (so Ornan 2007) ist nicht plausibel, da Ungeborene nicht an der Brust liegen und zudem Schwangere nicht wissen konnten, ob sie Zwillinge trugen. Hingegen steht das Bild in Kontinuität zur MB-zeitlichen göttlichen Mutter der geborenen und ungeborenen Kinder (383). Von 829 her legt es sich nahe, die Göttin als eine Verkörperung der im ug. Text «Schachar und Schalim» (Dietrich et al. 1976: 1, 23) erscheinenden Mutterschoßgöttin Rachamaj zu deuten, die Capriden am Baum erinnern an das im Mythos erwähnte «Feld der Götter» (Keel 2007a: 115f).

Parallelen:

Rowe 1940: pl. 68A:4: der Torso einer Terrakotte aus Bet-Schean zeigt die Frau mit ausgeprägtem Schamdreieck, wie sie mit einer Hand eine Brust präsentiert, während sie an der anderen Brust einen Säugling hält; Pritchard 1943: no. 185: der Torso einer Terrakotte aus Bet-Schean zeigt die Frau mit ausgeprägtem Schamdreieck, wie sie mit einer Hand eine Brust präsentiert, während sie an der anderen Brust einen Säugling hält; Pritchard 1954: no. 469:11: der Torso einer Terrakotte aus Bet-Schean zeigt die Frau mit ausgeprägtem Schamdreieck, wie sie mit einer Hand eine Brust präsentiert, während sie an der anderen Brust einen Säugling hält; Kochavi 1990: 20, figs. 17, 38: Fragment einer identischen Figur aus Afek; Ornan 2007: figs. 1-2: vgl.; Givon 1995: fig. 16:2: weiteres Fragment vom Tel Harasim (am Nord-Ufer des N. Barka˒i).

Bibliographie:

Beck 1986a: pl. 12:3.1; Keel/Uehlinger 1992: 85, Abb. 82; King 1995: 59; Keel/Uehlinger 2001: Abb. 82; Keel/Schroer 2004: Nr. 105; Ornan 2007: fig. 3 (und pl. 24:2); Schroer 2011: 280f, Nr. 828; IDD: Caprid Nr. 81.

DatensatzID:

34031

Permanenter Link:

  http://www.bible-orient-museum.ch/bodo/details.php?bomid=34031