Objekt:

 Wandmalerei (farbig), 2,5 x 1,75 m.

Datierung:

 Mari letzte Phase der Ville III (1810-1794) (Jaḫdun‑Lim von Mari) bzw. Hammurabi (1728-1686) (Keel 1984a).

Herkunft:

 Mari, Grand Palais Royal, Hof 106, rechts vom Eingang zum Thronsaal in situ gefunden.

Sammlung:

 Paris, Louvre Museum, AO 19826.

Darstellung:

 Die traditionelle Verbindung der Liebesgöttinnen mit den Tauben wird in besonderer Weise durch das berühmte sog. Investiturbild aus dem Palast von Mari bezeugt (Nunn 1988: 79‑89). Das Wandgemälde ist symmetrisch aufgebaut (zur Komposition Margueron 1992; Margueron 2004: 508ff; zur Rekonstruktion der Tempelanlage vgl. al‑Khalesi 1978: pl. 4 (bes.). Im geometrischen Zentrum ist der Tempel bzw. die Palastkapelle der Göttin zu sehen. Der Herrscher von Mari steht der Göttin Ischtar gegenüber. Sie gewährt ihm bei diesem Empfang die Berührung von Ring und Stab (Reallexikon der Assyriologie 11, 414‑421; zu dieser Szene vgl. schon Barrelet 1950: 17‑19 sowie Schroer 2008: Nr. 525). In der Linken hält die Göttin ein Krummschwert. Das Kreuzband auf ihrer Brust dient als Träger des waffenstrotzenden Köchers auf ihrem Rücken. Mit einem Fuß steht sie in typischer Haltung (Schroer/Keel 2005: Nr. 258, 259, 260, Schroer 2008: Nr. 448, 449 und zur kriegerischen Ischtar Colbow 1991) auf einem liegenden Löwen. Zwei fürbittende Lamma‑Göttinnen (Otto 2000: 211f) und ein Gott mit Hörnerkappe, vielleicht auch ein vergöttlichter Vorfahre des Königs, assistieren beim Einsetzungsakt, der die enge Verbindung von Tempel und Palast dokumentiert. Der Tempelbereich ist nach altorientalischer Vorstellung ein Paradies auf Erden, in welchem die himmlische Götterwelt erfahrbar wird. Das Leben in Fülle, das die unmittelbare Nähe der Göttin bewirkt, wird zum einen durch die Quellgottheiten im unteren Bereich des Tempelhauses dargestellt (Schroer 2008: Nr. 512, 513, 514). Sie halten Vasen, aus denen vier Quellströme mit Fischen fließen (Schroer 2008: Nr. 512) und stilisierte Pflanzen emporwachsen. Der Tempel ist der Ort, von dem alles Leben ausströmt. Dieser göttliche Segen wird zum anderen sichtbar im großen Tempelgarten. Der Tempel wird von zwei stilisierten Bäumen und zwei Dattelpalmen (vgl. zur Verbindung von Ischtar und Dattelpalme Schroer 2008: Nr. 260) flankiert, von denen aber nur die auf der rechten Seite erhalten ist. Zwei Männer klettern am Stamm hoch, um die Früchte zu ernten. In der Krone erhebt eine überdimensional große, weiße Taube ihre Schwingen. Im Hofbereich sind in den oberen Registern geflügelte Mischwesen als Wächter postiert. Zwei Stiere im unteren Register stemmen den Vorderfuß auf einen Berg, der den klassischen altorientalischen Topos des Tempelbergs andeutet. Fürbittende Göttinnen im Falbelgewand unterstreichen die Heiligkeit des Ortes und der Begegnung. Der Löwe und die Taube (Schroer 2008: Nr. 519) symbolisieren als Attributtiere der Ischtar zum einen ihre aggressiv‑kriegerische, zum anderen ihre verspielt‑verliebte Seite. Das Palastbild befand sich rechts vom Portal des Thronsaals. Es zitiert, wie inzwischen meistens angenommen wird, die Palastanlage mit dem Innenhof, in dem eine Palme stand, der Quellgöttin (Schroer 2008: Nr. 512) im Vorraum zum Thronsaal und dem Thronsaal, der zugleich das Heiligtum der Göttin war. Auch jene, die keinen Zugang zu diesen Räumen hatten, konnten sich aufgrund des Wandbildes überzeugen, wie eng die Beziehung zwischen dem Herrscher und der Göttin war.

Parallelen:

Barrelet 1950: Motivvergleiche; Parrot 1959: 45-47, fig. 37-38: Tauben kommen neben der Göttin und zahlreichen Tieren auch auf den Kuchenformen aus dem Palast von Mari vor.

Bibliographie:

Parrot 1937a: pl. 39; Barrelet 1950: pl. 1; Pritchard 1954: no. 610 (nur Ausschnitt); Parrot 1958: pls. 9-14; Strommenger/Hirmer 1962: Taf. 24; Parrot 1962a: 278-281, Abb. 346; Moortgat 1967: 74; Winter 1983: Abb. 186; Gates 1984: 70-87,; Keel 1984: Abb. 43; Keel 1984a: Nr. 191; Nunn 1988: Abb. 58-59; Hrouda 1991: 341; Black/Green 1992: 23, fig. 16; Keel 1992: 161, Abb. 119; Keel 1996c: Abb. 191; Margueron 2004: 424, pl. 56; Keel 2007: 118f, no. 135; Schroer 2008: 204f, Nr. 434.

DatensatzID:

33771

Permanenter Link:

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